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Rund um den alten Stauderhof in Niederdorf wurde ein Raumordnungsvertrag entwickelt, der das gesamte Dorf verändern würde. Aber die Pläne des Bürgermeisters stoßen auf Widerstand. Vier oppositionelle Räte haben jetzt einen Einwand eingereicht.
Von Silke Hinterwaldner
,,Bis der Vertag unterzeichnet ist, will ich nicht  mehr darüber sprechen.“ Kurt Ploner, Bürgermeister von Niederdorf, arbeitet zwar schon lange an einem Raumordnungsvertrag, der das Dorf verändern wird, aber der Diskussionen ist er überdrüssig. So darf es auch nicht verwundern, dass er den Einwand der oppositionellen Gemeinderäte gar nicht kommentiert. Er hält ihn für einfach nur für haltlos.
Aber der Reihe nach: Im März hat der Gemeinderat knapp, aber doch, seine grundsätzliche Zustimmung dazu gegeben, dass im Dorf einiges umstrukturiert wird (siehe Kasten). Bürgermeister Ploner hat dazu mit allen Beteiligten Verhandlungen aufgenommen. Aber der anstehenden Mega – Deal  sorgt nicht überall für Begeisterung. Nicht nur die oppositionellen Räte von Freiheitlichen und SüdTiroler Freiheit wehren sich, auch die Bauern innerhalb der SVP wollen sich gegen den Vertragsabschluss stellen. Denn: Die Folgen eines so umfassenden Raumordnungsvertrages sind nicht absehbar. Was man mit Sicherheit weiß, ist, dass Niederdorf auf diese Weise viele Zweitwohnungen bekommen wird – mit den bekannten Folgen für das Dorf selbst.
,, Was hier geplant ist“, sagt Hubert Trenker, ist katastrophal. Auch der Schaden für den Tourismus, einen der ganz wichtigen Wirtschaftszweige, ist enorm.“ Trenker ist nicht nur Gemeinderat für die Freiheitlichen, er ist auch Präsident des Tourismusvereines in Niederdorf. Er sagt:,, Diesen Vertrag werde ich nie und nimmer gutheißen können.“
Er führt viele Gründe für seinen Protest ins Feld. Dazu gehört auch, dass sich Niederdorf mit diesem Plan über alle raumordnerischen Spielregeln hinwegsetzen will. Aber er und seine Mitstreiter wollen nicht nur auf ein negatives Gutachten von den zuständigen Stellen hoffen, sie werden vor Ort aktiv.
Für die Gemeinderatssitzung am 28. Juni haben sie einen Einspruch gegen den Grundsatzbeschluss vom März eingereicht. Der Inhalt: Weil sich ein Gemeindetechniker in die inhaltliche Diskussion der Räte eingemischt habe, sei der Beschluss nicht gültig. Die Einbringer, vier Gemeinderäte von Freiheitlichen und SüdTiroler Freiheit, haben aber wenig Hoffnung, dass diese Aktion den großen Plan verhindern kann.
Auch wenn sie auf viele Unterstützer zählen können. Franz Jaeger, Bauer und SVP – Gemeinderat, kann genauso wenig verstehen, warum Niederdorf so Großes plant. Er sagt:,, Das alles mag sich zwar finanziell für die Gemeinde lohnen. Aber auf lange Sicht kommt dabei nichts Gutes für das Dorf heraus.“
Der Vertrag
Bereits vor Jahren hat das Bauunternehmen Nordbau aus Kiens den alten Stauderhof im Dorfzentrum von Niederdorf erstanden – mit der Absicht, aus der Kubatur von insgesamt 4.700 Kubikmetern insgesamt 24 neue Wohnungen zu schaffen. Gemeinde und Baufirma konnten sich aber auf keinen gemeinsamen Weg einigen. Um einen Schlussstrich unter die Rechtsstreitigkeiten zu setzen, wird nun verhandelt. Im Entwurf für den entsprechenden Raumordnungsvertrag sind Projekte enthalten, die weit über den Stauderhof hinausreichen. Im Dorf selbst entstehen Grünflächen und Tiefgaragen – auch für das Weiße Haus – und nur ein Teil der Hofkubatur. Die zweite Hälfte soll ausgesiedelt werden.
Auch der Metzgermair wird aus dem Dorf ausgesiedelt. Das alte Gebäude im Dorf soll erhalten bleiben, auf dem Grundstück außerhalb sollen nun die neue Hofstelle und der Neubau aus der Restkubatur des Stauderhofes geschaffen werden. Außerdem soll Nordbau den Friedlerhof, ein Gebäude in Gemeindebesitz, sanieren, in dem ein China – Restaurant untergebracht ist.