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Der Befund ist ebenso eindeutig wie un-
tröstlich. In manchen Südtiroler Gemeinden
– beispielsweise in Corvara und in Welschn-
ofen – gibt es mehr Zweitwohnungen als
Wohnungen, die regelmäßig von Einheimi-
schen bewohnt werden. Verbandsobmann
Peter Ortner hat auf diese Landplage, die
mittelfristig einem Ausverkauf der Heimat
gleichkommt, in seinem Grundsatzreferat
bei der Jahreshauptversammlung in To-
blach mit Nachdruck hingewiesen. Und
er nannte auch Gründe. Er zeigte mit dem
Finger auf Makler und Spekulanten, die
unsere Kulturlandschaft als Spielwiese für
ihre gewinnträchtigen Geschäfte betrachten.
Und er sparte auch nicht mit Kritik an die
Adresse der Landesregierung. Seine For-
derung: ,,Wir brauchen endlich ein Raum-
ordnungsgesetz, das die Zersiedelung und
Verhüttelung des ländlichen Raumes ver-
hindert.“ Aus der Raum-Unordnung müsse
wieder eine Raumordnung werden. Wenn

in den Dörfern die Bindung an Grund und
Boden verloren gehe, ,,dann ändern sich
auch die sozialen, kulturellen und wirtschaft-
lichen Strukturen von Ortschaften wesent-
lich“, analysierte Ortner. Ortschaften verlören
ihre Besonderheit und würden zu seelen-
losen, kitschigen Allerweltskonstruktionen.
Das könne auch nicht im Interesse eines
nachhaltigen Tourismus sein.
Mittlerweile hat im Raum Pustertal auch
die ,,Aktion Heimat“ mit schrillen Signalen
aufhorchen lassen. Heimatpfleger, Schützen
und Gewerkschaften haben sich zu einem
bemerkenswerten Schulterschluss vereinigt
und mit eindringlichen Botschaften auf das
um sich greifende Übel aufmerksam ge-
macht. Und auch die in Toblach genehmi-
gte Resolution kann als Charta gegen die
Zweitwohnungen verstanden werden. Frei-
lich: Die Heimatpflege und die mit ihr Ver-
bündeten können nur warnen. Das Heft in
der Hand hat die Landesregierung, und die
ist nun am Zug.

Alfons Gruber