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Am Samstag, dem 24. September 2012, fand in Bruneck eine Tagung zum brisanten Thema „Wie viele Freizeitwohnungen vertragen wir noch?“ statt.

Ziel der Veranstaltung der Silvius-Magnago-Akademie war es, „das Phänomen der zunehmenden Freizeitwohnsitze zu beleuchten und auszuloten, welche Maßnahmen umsetzbarund zielführend sind. “Frau Dr. Martha Stocker, Regionalassessorin und SVP-Parteiobmannstellvertreterin, gab als Begründung für die Tagung u.a. die „bekannten Fakten“ an, nämlich „dass nur 8,3 % der Gesamtfläche für Dauersiedlungen geeignet sind und dass bereits etwa ein Drittel dieser Fläche verbaut ist,• dass wir auch schon aufgrund dessen sehr hohe Wohnungspreise haben, die noch durch die Tatsache gesteigert werden,• dass wir nicht nur einen hohen Anteil an Zweitwohnungen haben (13,1 % 1990),die zu mindestens 45 %… touristisch genutzte Freizeitwohnungen sind.“ Ausgehend von diesen Fakten führte Dr. Martha Stocker aus: „Die Preise pro m2 sind in den Gebieten mit besonders hoher Nachfrage denn auch besonders hochund führen dazu, dass Einheimische, die eine neue Wohnung brauchen, für diese schon in andere Gemeinden, wo auch immer, ausweichen. Dazu kommt die Sorge vor Überfremdung und die Problematik der Auslegung der Infrastrukturen auf maximale Belastung, während sie 90 % der Zeit überdimensioniert sind. In letzter Zeit machte sich auch die Sorge vor einer zusätzlichen Belastung der Sozialsysteme breit, z.B. auch wenn Menschen dann im Alter ihren Wohnsitz nach Südtirol verlegen und somit ein Anrecht auf alle Dienstleistungen erwächst, von der Pflegesicherung bis zum Altersheim…

Wir haben in Südtirol natürlich auch große Unterschiede – wie überall: Wir haben Gemeinden mit einem besonders hohen Anteil an Zweitwohnungen: An der Spitze ist Welschnofen mit einem Bestand von 58 % (an den Wohnungen insgesamt inder Gemeinde), gefolgt von Corvara mit 52 %, und weitere Pusterer/Gadertaler Gemeinden folgen: Abtei 37 %, Toblach 30,Niederdorf 29, Innichen 24 % usw. Die Preise für Wohnungen richten sich natürlich an dieser Nachfrage aus: So redet man von Preisen in Wolkenstein von 8.800pro m2, Paris scheint dagegen mit 8.000 €/m2 schon abgeschlagen zu sein. Auch Innichen kann sich mit 4.250 €/m2 gegenüber München mit 3.800 €/m2 sehen lassen (wobei gesagt werden muss, dass letztens die Preise auch in München starkangezogen haben) und für Corvara“, wo geförderte Wohnungen schon über 4.000 €/m2 kosten. „Anscheinend soll dort aucheine Wohnung für 18.000 pro m2 verkauft worden sein. Da versteht man dann vielleicht auch, dass es schwer wird, zu widerstehen und dass man vielleicht beim Widerstehen auch helfen muss.“ Alle Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren sich darin einig, dass es für die Raumordnung neue gesetzliche Regelungenbrauche. „Von 48.000 Hektar bebaubarer Fläche in Südtirol sind bis 2008 21.000 bis 22.000 Hektar verbaut worden“ (Wohn- , Gewerbekubatur usw.), gab Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler zu bedenken. Was die touristisch genutzten Zweitwohnungen betrifft, waren sich die Teilnehmer keineswegs einig. So meinten etwa Vertreter der Wirtschaft, man solle das Problem nicht überbewerten, da es nur einige wenige Gemeinden betreffe. Zudem sei der Verkauf von Wohnungen an Provinzfremde in letzter Zeit nahezu zusammengebrochen. Martha Stocker unterstrich, dass die Politik für den Zweitwohnungstourismus noch keine Lösung habe, dass aber zweifellosHandlungsbedarf  bestehe. Es müsse eine Regelung für den Zweitwohnungsmarkt gefunden werden, diese dürfe allerdings nicht im Widerspruch zu den EU-Bestimmungen stehen. Gefordert wurde u.a., dass für touristisch genutzte Zweitwohnungen eine Obergrenze von acht Prozent, bezogen auf die Gesamtzahl der Wohnungen einer Gemeinde, eingeführt werden soll, wie dies in Nordtirol seit Jahren gilt. Auch sollten die Gemeinden erwägen, bei der Ausweisung von Erweiterungszonen im Einvernehmen mit den Grundeigentümern bis zu 100Prozent für den geförderten Wohnbau zu bestimmen. In der Gemeinde Gais gibt es nach amtlichen Unterlagen (Stand: 15.10.2012) 827 Erstwohnungen (535 in Gais, 265 in Uttenheim, 17 in Mühlbach, 7 in Tesselberg, 3 in Lanebach) und 299 Zweitwohnungen (208 in Gais, 81 in Uttenheim, 8 in Mühlbach, 2 in Tesselberg, 0 in Lanebach). Es ist schwer, die genaue Zahl der ausschließlich touristisch genutzten Freizeitwohnungen festzustellen; nach zur Zeit vorliegenden Unterlagen dürften sie etwa 20 Prozent der Zweitwohnungen und etwas mehrals 5 Prozent der Gesamtzahl an Wohnungen ausmachen.

Albert Forer, Gais, im Dezember 2012